Andacht

Monatsspruch für September 2022: Sirach 1,10: Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.

Sirach – ein Buch der so genannten Apokryphen. Das sind Bücher, bei denen es strittig ist, ob man sie zur Bibel zählen sollte. So werden sie in manchen Bibelausgaben abgedruckt, in anderen nicht. Aber an diesem Vers, dem Monatsspruch für September, wird klar, dass jedenfalls einiges Lesenswerte in diesen Büchern steht.
Die Zeit des Sirach war eine schwierige Zeit. Damals herrschte in Judäa der König Antiochos III. Er war eigentlich den Judäern gegenüber aufgeschlossen, aber dann gab es eine große Schlacht gegen die Römer, die er verlor. König Antiochos III. musste hohe Reparationszahlungen leisten, und hierfür wählte er den üblichen Weg, nämlich die Steuerzahler zu melken. So war die Zeit für die Juden, obwohl sie eigentlich in keinen Krieg verwickelt waren, hart und von Armut geprägt. „Was wird noch alles von uns gefordert werden?“, werden die Menschen damals wohl oft gefragt haben.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Auch wir gehen in dieses neue Schul- und Arbeitsjahr mit heftigen Problemen. Obwohl wir momentan nicht direkt in einen Krieg verwickelt sind, trifft der Krieg in der Ukraine auch uns; die Zeiten werden schlechter, und die Angst vor dem Morgen kommt auf. Und vielleicht fragen wir, wie die Menschen zur Zeit des Sirach, manchmal: „Was wird noch alles von uns gefordert werden?“
Mitten in dieser Lage schreibt der Verfasser: „Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.“
Weisheit können wir in wirren und unsicheren Zeiten ganz gewiss gebrauchen. Weisheit, die Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen, ohne dabei den Anstand, den Mut, die Hoffnung und die innere Kraft zu verlieren. Und die Weisheit, Gott zu lieben, macht das Leben tatsächlich besser. Warum das?
Nun, wer Gott liebt, nimmt dankbar wahr, was Gott uns Menschen schenkt. Da sind die Dinge, die uns umgeben, nicht selbstverständlich, sondern Geschenke von Gott, und als solche gewinnen sie für uns ganz neu an Wert. Wir leben bewusster, wir freuen uns bewusster, das Leben wird wertvoller.
Wer Gott liebt, will auch Gottes Willen tun. Dazu gehören Dinge wie Frieden und Nächstenliebe. Wenn wir die Gnade, die Gott uns schenkt, weitergeben an andere, wenn wir andere als wertvolle Geschöpfe Gottes achten und das Gebot der Nächstenliebe nach Kräften befolgen, dann werden wir merken: Da kommt Solidarität, Hilfsbereitschaft und ein besseres Miteinander auf. Werte, die wir in Krisenzeiten ganz besonders gut brauchen können.
Wer Gott liebt, der vertraut Gott auch. Der hat, wenn auch alles vergeht und sich ändert, doch die Hoffnung, dass er bei Gott in guten Händen ist und von Gott gut durchs Leben geleitet wird. Der verliert nie die Hoffnung.
Gott lieben, das heißt: dankbar, hoffnungsvoll und in Nächstenliebe leben. Wirklich die allerschönste Weisheit, die hilft, sich über Gutes noch mehr zu freuen und in Krisen die Zuversicht nicht zu verlieren. Und so schenke uns Gott durch seinen Geist die Weisheit, die Gott liebt. Amen.

Ihre Pfarrerin

Almut Weisensee