Andacht

Kennen Sie das? Manchmal möchte man über jemanden wissen: „Was ist denn das so für einer?“ Dann schaltet man den Computer ein und schaut mal in die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Instagram oder Twitter. Oft kann man sich über die Bilder, die Infos oder Meinungen, die jemand da weitergibt, schon ein Bild von demjenigen machen. Das ist zwar sehr weit entfernt von Kennenlernen, aber schon ein gewisser erster Eindruck.
Mit Gott ist das schwieriger. Er zeigt sich nicht auf sozialen Plattformen. Und noch mehr: Wir schauen zum Himmel, aber da sehen wir nur Wolken und manchmal die Sonne. Wir beten, aber nur wenige berichten von einer Antwort mit lauten Worten. Dazu ist Gott auch keiner, der über all seine Tätigkeiten und Entscheidungen Rechenschaft ablegt, und sein Handeln ist uns manchmal unbegreiflich, gerade in Coronazeiten. Das macht für uns das Glauben manchmal schwierig.
Aber dann erinnert uns der Kolosserbrief an etwas Wichtiges: Monatsspruch für April: Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. (Kol 1,15)
Wenn wir etwas über Gott erfahren wollen, dann müssen wir uns Jesus anschauen. Denn er ist der Erstgeborene der Schöpfung. Das heißt: Jesus Christus zeigt, wie Gott sich uns und unser Leben wünscht. Wie aber sieht das aus?
Gerade in dieser Zeit des Kirchenjahrs haben wir Gelegenheit, uns Jesus genauer anzuschauen. Wir sehen einen, der beim Abendmahl mit den Seinen zusammensitzt. Nicht nur mit den Guten, sondern auch mit dem, der ihn dann verraten wird. Wir sehen einen, der Angst gehabt hat vor seinem Schicksal und dennoch Gottes Willen akzeptiert hat. Wir sehen einen, der das Sterben erlebt hat und einen, der den Tod überwunden hat.
Das zeigt uns, was Gott von uns und für uns wünscht: Gnädig mit anderen umgehen, aber doch zu unserer Meinung stehen. Uns Gott anvertrauen, ihm sagen, was uns bewegt, aber doch seinem Planen vertrauen. Nicht im Tode bleiben, sondern wieder auferstehen.
Umgekehrt sehen wir daran auch, wie Gott zu uns ist: verzeihend, verständnisvoll, mitfühlend und mit einem guten Plan für uns. Und das ist nicht nur ein geschönter Eindruck,so wie ihn manche auf sozialen Plattformen hinterlassen. Sondern das ist Gottes voller Ernst, ein Ernst, den er mit dem Sterben besiegelt hat. Auf ihn dürfen wir vertrauen, auch wenn wir ihn nicht verstehen, und ich wünsche uns, dass die Karwoche und die Osterzeit uns neu daran erinnern.

Ihre Pfarrerin

A. Weisensee