März - Judika

Audio Sonntagspredigt

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

Unser heutiger Abschnitt für die Predigt steht im Hebräerbrief im 13. Kapitel: 12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.
14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Liebe Gemeinde!
„Wir haben hier keine bleibende Stadt“ - das merken im Moment wohl so ziemlich alle Menschen. Corona – ein Virus kommt in die Welt, und nichts bleibt, wie es war. Liebgewordene Gewohnheiten fallen weg. Treffen mit Freunden und in Vereinen können nicht stattfinden. Nicht einmal mehr Gottesdienste und Schule gibt es. Auch im täglichen Leben bleibt nichts, wie es ist: Alleinstehende begegnen  manchmal tagelang keinem Menschen von Angesicht zu Angesicht. Familien sitzen nonstop aufeinander und müssen sich dabei noch mit Dingen herumschlagen wie Homeoffice und Schule daheim. Kurzarbeit kommt auf, mancher weiß gar nicht mehr, wie es eine Tage füllen soll. Finanzielle Sicherheiten brechen weg.  Dazu kommt die Angst vor der Krankheit und oft genug die Sorge um unsere Lieben. Ja, wir spüren es: Nichts bleibt, wie es ist. Eine bleibende Stadt, eine ruhige, sichere Heimat, sieht anders aus als das, was wir gerade erleben.
„Wir haben hier keine bleibende Stadt“ - würde der Satz aus dem Hebräerbrief hier enden, wäre das trostlos. Aber da kommt noch etwas: „sondern die zukünftige suchen wir“. Es gibt also eine zukünftige Stadt. Es bleibt nicht bei unserem jetzigen Leben mit all seinen Sorgen und Nöten. Es bleibt nicht bei unserem jetzigen Leben, in dem wir manchmal gern woanders wären, vielleicht draußen, auf einem Fest, mit mehr Arbeit beschäftigt oder von zu viel Arbeit entlastet. Es kommt ein Leben in einer zukünftigen Stadt, und sie ist gut, weil das Stadtoberhaupt Gott, der Vater, der Sohn und der heilige Geist ist.
Was können wir da erwarten?
Viele sagen: Nach Corona wird alles besser: Die Menschen haben durch die erzwungene Entschleunigung gelernt, wenige Stress und Hektik zu machen. Die Menschen haben sich wieder darauf besonnen, was wirklich wichtig ist und was unwichtig ist. Die Menschen haben gelernt, wie wertvoll Gemeinschaft ist und wie wichtig Friede, gegenseitige Hilfe und Solidarität sind. Die Menschen lernen das Kleine neu schätzen und werden mehr auf die Umwelt achten. Da wird es viel mehr Achtsamkeit, Respekt und Freude geben als zuvor und weniger Gier, Hast und Egoismus. Das hört sich gut an, oder? Aber vor allem: So ein Leben ist eigentlich ein guter Fingerzeig auf das, was Gott will: Frieden und Liebe, Dankbarkeit und Freude, Respekt und Achtsamkeit für Gott und alle Geschöpfe.
Ja, es gibt eine zukünftige Stadt, das kann uns Trost und Mut geben, wenn wir gerade mitten in Frust und Sorge stecken.
Aber da heißt es:  Wir suchen die zukünftige Stadt. Wie soll diese Suche aussehen? Was müssen wir dazu tun?
Lasst uns hinausgehen vor das Lager und Jesu Schmach tragen, sagt unser Abschnitt. Aber zur Zeit lautet doch der Slogan: „Bleibt zuhause! Trefft euch nicht! Haltet Abstand!“ Wie sollen wir da hinausgehen?
Es geht nicht um einen Ortswechsel im üblichen Sinne. Es geht um einen geistlichen Aufbruch. Es soll uns nicht die Frage leiten: „Wie mache ich mir meinen Platz im Leben besonders angenehm?“ Sondern: „An welchem Platz will mich Jesus Christus haben?“
Die Antwort auf diese Frage kann immer im Leben und gerade in diesen Zeiten verschiedene Gesichter haben.
Für manche heißt sie: Jesus Christus will mich am Arbeitsplatz haben, damit ich nach Kräften das Leben aufrecht erhalte, vielleicht sogar mit noch mehr Einsatz als sonst. Für andere heißt sie: Jesus Christus will mich daheim haben, dass ich mich zurückhalte und niemanden in Gefahr bringe. Für manche heißt die Antwort: Mein Platz ist in der Einsamkeit, die ich geduldig aushalten muss und in der ich mich an der Nähe Jesu Christi trösten kann. Für andere ist der Platz in der Turbulenz der Familie, die es mit Humor und Toleranz zusammenzuhalten gilt. Für manche ist der Platz im Nachdenken und Besinnen. Für andere im Handeln. Für jede und jeden kann der Platz, den Jesus Christus ihm anweist, anders aussehen. Wichtig ist dabei nicht, dass wir auf andere schauen und uns überlegen, ob sie ihren Platz denn richtig ausfüllen. Sondern wichtig ist es, dass jeder sich immer wieder fragt: „An welchem Platz will Jesus Christus mich denn haben?“
Das hilft uns, die gute, zukünftige Stadt zu suchen. Aber was, wenn wir das nicht schaffen, wenn wir fehl gehen? Ist am Ende die Rede vom Suchen nach dem Platz, an dem uns Jesus haben will, und die Rede von der zukünftigen Stadt, ein Zweckoptimismus?
Unser Abschnitt gibt die Antwort: Nein. Denn Jesus Christus hat sein Leben dafür gegeben, dass wir Menschen eine Zukunft haben. Er ist gestorben wie ein Versager, um unser Versagen auf sich zu nehmen und uns hineinzunehmen in die zukünftige Stadt bei Gott. Die Passion Jesu, die wir gerade bedenken, eröffnet uns die gute, zukünftige Stadt.
Diese Hoffnung gibt uns Kraft, die zukünftige Stadt auch zu suchen und zu fragen: „An welchem Platz will Jesus mich haben?“ Und wenn wir spüren, dass wir am richtigen, von Jesus gewollten Platz sind, dann nährt das unsere Hoffnung auf Gottes zukünftige gute Stadt. Zu diesem ermutigenden Hoffen und Suchen schenke uns Gott seinen heiligen Geist. Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.  


Gebet: Guter Gott, unser Leben ist, gerade in diesen Tagen, voll von Sorgen, Ängsten, Umstellungen und Leid.
Wir denken an alle die, die Leid tragen: Menschen, die an Corona oder anderen Krankheiten leiden, Menschen, die sich aufarbeiten, damit das Leben wenigstens eingeschränkt weitergehen kann, Menschen, die unter ihrer Machtlosigkeit leiden, Menschen, die um einen lieben Angehörigen oder Freund trauern, Menschen, die Angst haben müssen.
Steh du ihnen bei, lass sie deine tröstende Nähe und Hilfe spüren, gib ihnen Kraft. Mache auch uns bereit und fähig, anderen unserem Vermögen beizustehen.
Wir danken dir, dass Jesus sein Leben für uns gegeben hat und dass wir für dich wichtig und "wertvoll sind. Hilf, dass uns das Zuversicht und Kraft gibt. Amen. "