Rückblick Festgottesdienst

Glockenjubiläum in Lanzendorf
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“. Dieser Ruf Jesu war der Wochenspruch am Glockenjubiläums-Sonntag und er passte nach den Worten der Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner in besonderer Weise zum Glockenjubiläum, das am 14.Juni in der St.Gallus-Kirche gefeiert wurde: „Denn Glocken rufen “Komm“. Sie rufen: „Kommt zum Gottesdienst“ oder: „Komm zum Gebet“. Und im Kern der Bedeutung rufen Glocken zu Jesus Christus, der uns einlädt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“.  Der eindrucksvolle Festgottesdienst wurde vom Kirchenchor und dem Posaunenchor mit mächtigen Chorälen musikalisch begleitet. Mit einem Gemeindefest wurde das Glockenjubiläum am 14.Juni Sonntagnachmittags auch gebührend gefeiert.  Es herrschte bei strahlendem Sonnenschein ein buntes Treiben  rund um den herrlich gelegenen Kirchplatz.  Pfarrerin Almut Weisensee bezeichnete das Glockenjubiläum als etwas ganz Besonderes. Kirche Lanzendorf

Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner stellte zu Beginn ihrer Festpredigt fest, dass auch in der alttestamentlichen Lesung Gott ruft, dass sich die Gläubigen stärken lassen durch ihn: „Kommt her und kauft ohne Geld. Warum zahlt ihr Geld dafür das, was kein Brot ist? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!“ Gleichzeitig deutet dieses Bibelwort an, dass viele Menschen eben nicht kommen, sondern woanders hingehen, dorthin, wo ihre Seele aber nicht genährt wird, kein Brot des Lebens erhält, sondern irgendetwas, was nicht satt macht.
„Am Frühstückstisch sitzen zu bleiben, macht den Körper satt, darf auch mal sein, doch zehrt die Seele auf Dauer aus. Gott ruft seit Hunderten von Jahren – und viele überhören seinen Ruf. Doch viele hören ihn auch, lassen sich von den Glocken einladen und essen hier das, was ihre Seele nährt und stärkt. So wie Sie heute. Hätten nicht Menschen diesen Ruf Jesu über die Jahrhunderte gehört, dann wären Kirche und Glockenstuhl schon lange verfallen.“

Die Lanzendorfer  Kirche ist nach den Worten der Oberkirchenrätin ein besonderes Kleinod unter den Markgrafenkirchen. Dr. Greiner: „Sie ist ja nicht in der Markgrafenzeit erst entstanden, da wurde sie barockisiert. Vielmehr ist sie wohl eine der ältesten Kirchen unseres Kirchenkreises Bayreuth beziehungsweise Oberfrankens. Ihre Anfänge liegen gewiss schon im ersten Jahrtausend nach Christus, denn es ist belegt, dass die Pfarrei zum Bistum Würzburg gehörte, das heißt, sie bestand vor Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007.“ Nach Meinung der Regionalbischöfin  könnte hier sogar ein sehr alter Ort der Christianisierung der Region sein. Die Lage der Kirche nah der Flussfurt könnte bedeuten, dass dort unten im Weißen Main ein alter Taufort war. Zudem weist der Name St. Gallus auf den Wanderprediger und Missionar Gallus, der um 600 lebte. Zwar hat er im Bodenseeraum gewirkt, doch erinnert sein Name an die Zeit Christianisierung des Landes. Und die Kirchenrätin weiter: „Diese alte Kirche hat so viele alte Juwelen: Den Kanzelaltar von Elias Räntz nach 1700 entstanden, den Taufstein, schon nach 1600 entstanden mit den Fratzen am Fuß, den dunklen Mächten, denen alle Getauften entronnen sind und die Apostelfiguren, die sogar noch 5 Jahre älter sind als unsere Jubiläums-Glocken.  Doch wir sitzen nicht in einem Museum. Vielmehr sind Kanzel, Taufstein und Glocken in lebendigem Gebrauch. Dass wir aber solche Schätze haben, die uns mit ganz anderen Zeiten verbinden, macht uns deutlich, dass wir in einer Bewegung stehen, die zugleich alt und doch lebendig ist: Es ist die Bewegung zu Jesus Christus hin. Schon weit, weit über 1000 Jahre folgen hier Menschen dem Ruf Jesu wie wir: Kommt her zu mir, die mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken.“

Dr. Dorothea  Greiner hielt es für ein Privileg und eine Aufgabe, diese Tradition weiterzutragen in die nächste Generation, mit Mitteln unserer Zeit: „So wie auch ihr im Posaunenchor nicht mehr nur Händel, sondern auch Richard Roblee spielt. Wir sind bewegt worden von einer Bewegung, die viel älter ist als wir. Und unsere Aufgabe ist es, andere, die heute am Rand stehen, an der Hand zu nehmen und zu sagen:  Komm mit. Der Glaube an Christus trägt auch in unserer Zeit.“ Die Oberirchenrätin hielt es für eine besondere Gnade, dass die Lanzendorfer Glocken der Gemeinde in diesen 500 Jahren nie genommen wurden, wohl weil man Achtung vor dem Alter von Pfarrei, Kirche und Glocken hatte. In den umliegenden Dörfern wurden aber die Glocken zur Kriegsführung entwendet.  Das ist nach den Worten Dr. Greiners der schlimmste Missbrauch, der mit Glocken geschehen kann: „Gegossen für Friedensgebete wurden sie eingeschmolzen für den todbringenden Donnerknall der Kanonen. Die Nazis hatten sich übrigens das Ziel gesetzt, dass nach dem Endsieg nur noch 12 Glocken läuten sollten, nicht auf einer Kirche, sondern über dem Reichstag in Berlin.“   Atheistische Diktaturen  haben immer ein Interesse, Glocken zum Schweigen zu bringen, weil Glocken zu Christus rufen und ihn als Herrn aller Herren proklamieren, der befreit von allen anderen Herrschaftsansprüchen.  
Glocken rufen zu Christus und zugleich geht ihr Schall in alle Lande. Am Glockengeläut wird unüberhörbar, wie Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner feststellte, dass Christsein keine Privatangelegenheit ist: „ Christlicher Glaube gestaltet unsere Kultur, ist öffentlich und ruft im öffentlichen Raum zu Gebet und Gottesdienst.

 Gebetsläuten ist eine alte wertvolle Tradition und nach Ansicht von Dr. Greiner wäre es schade, wenn dieses den Reformatoren wichtige Friedensgebet mit der bäuerlichen Tradition zugleich aussterben würde: „Wir sind gerade dabei diese Gebetszeiten zu verlieren. Wenn wir sie nicht nutzen, werden sie irgendwann aus unserer Kultur verschwunden sein, weil dann – wenn wir das Geläut nicht mehr gebrauchen zum Gebet - das Immissionsschutzgesetz zuschlagen kann. Doch die Unterbrechung zum Gebet, das Innehalten, zur Ruhekommen ist heute wichtiger denn je.“   Not lehrt beten und es ist gut, dass die Gläubigen im Gebetläuten eine Form haben, die sie nutzen und füllen können.  Und abschließend stellte Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner fest: „Mögen diese Marienglocken es noch erleben, dass sie läuten bei einem Gottesdienst, bei dem Evangelische und Katholische auch offiziell wieder gemeinsam zum Tisch des Herrn gehen. Wir Evangelische laden ohnehin schon unsere katholischen Glaubensgeschwister dazu ein – auch heute. Denn Christus verbindet uns und ruft uns alle zu sich. „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will Euch erquicken.“ Bei ihm ist Brot des Lebens für uns alle.„
 
Die Reihe der Grußworte eröffnete stellvertretende Landrätin Christina Flauder, die auch für den anwesenden Landtagsabgeordneten Martin Schöffel die Glückwünsche zum Glockenjubiläum aussprach.  Für das Dekanat Bad Berneck übermittelte Dekan Thomas Guba und für die Gemeinde Himmelkron Bürgermeister Gerhard Schneider Glückwünsche. Schneider überreichte auch ein Geldgeschenk an die Kirchengemeinde.

Text: Werner Reißaus